Die offensiv vorgetragene Unwilligkeit oder gar Unfähigkeit von immer mehr Personen des öffentlichen Lebens, sich ernsthaft mit Kritik auseinanderzusetzen, wird zu Recht in den verlinkten Texten wiederholt kritisiert.
Diese - manchmal Polemiker, häufiger Populisten bzw. treffender Rechtspopulisten* genannten - Menschen, benutzen in maßloser Häufigkeit die folgenden fünf Stilmittel, gerne auch wild kombiniert:
* In einigen der verlinkten Texte wird eine weitergehende Differenzierung bzw. auch begründete schärfere Bezeichnung vorgenommen.
Die Diskreditierung zielt auf die Erfindung eines häufig nicht existierenden Zusammenhangs zwischen erlogenem, möglicherweise aber auch (teilweise) wahrem Fehlverhalten des Beschuldigten und den unerwünschten Aussagen und Positionen dieses Gegners. Es geht hier allein um das "Es bleibt immer etwas hängen." Wird das nur hartnäckig genug vorangetrieben, stellt sich der "Erfolg" von ganz alleine ein, so das Kalkül.
Denn - Punkt 3 - auch Gleichgesinnte stimmen ein, übernehmen die Positionen, ggf. auch die Meinungsführerschaft oder haben diese sogar von vornherein inne. Dann sind andere die "Bösen": "Ich hab's ja immer schon gewusst, aber ja nur zitiert*, xyz hat's doch (zuerst) gesagt!"
Eine perfide Variante in umgekehrter Ablauffolge ist auch: "Ich, an Stelle von xyz, würde dieses / jenes tun." Dieser "Schachzug" erweitert das Feld um weitere - ggf. bisher unbeteiligte - "Spieler", um unabhängig von der Zugehörigkeit der (neu) Beteiligten zu einer bestimmten "Seite" und sogar unabhängig von deren - ggf. auch fehlenden - Reaktion, die (erfundenen) Vorwürfe vorgeblich zu untermauern.
* Zum Zitieren im eigentlichen Sinne gehören auch das Verlinken, Retweeten oder Liken.
Auch zu Punkt 4 gibt es zwei gegensätzliche Ansätze.
Der Erste: "Ihr habt mich doch (absichtlich) missverstanden. Die Aussage wurde aus dem Zusammenhang gerissen.", obwohl genau beides offensichtlich nicht der Fall ist.
So simpel wie verblüffend ist der zweite Ansatz: Einfach das kritisierte Verhalten wiederholen nach dem Motto "Hey, seht mal, gar nicht so schlimm, völlig normal!"
Das "Alle sind gegen mich, aber du verstehst / ihr versteht doch bestimmt, was ich sage, und unterstützt mich!" Theater beschreibt den abschließenden Punkt 5.
Erst diese bewusste Wahrnehmung erlaubt es jedem, zu entscheiden, ob für einen selbst die gleichen oder andere Mechanismen gelten.
Kommentare, Essays, Glossen und verwandte Artikel sind ein vorzügliches Hilfsmittel, den roten Faden dieser Mechanismen aufzunehmen und zu verfolgen.
Auch bei Einschränkungen in der Länge - wie bei Twitter - kann dieser Faden aufgenommen werden. Dort ermöglichen es insbesondere Fragetechniken, den Leser mit wenig Text zum Nachdenken anzuregen. In meinem Blog habe ich das prominent umgesetzt.